Gabel Cartridge Umbau RAISCH

Was wird wie "geschraubt"?
bandit
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Re: Gabel Cartridge Umbau RAISCH

Beitrag von bandit » 3. Okt 2017, 06:59

Merkt mann den unterschied zu nur öhlins federn extrem?
Verwechsel meinen Charakter nicht mit meinem Verhalten....

Mein Charakter bin ICH, mein Verhalten hängt von Dir ab.

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twinfan
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Re: Gabel Cartridge Umbau RAISCH

Beitrag von twinfan » 3. Okt 2017, 08:13

kommt drauf an wie du fährst. die öhlins federn sind ein großer fortschritt. mit dem cartridge hast du einfach noch mal deutlich mehr reserven wenn du auf der letzten rille unterwegs bist. dabei ist die dämpfung jetzt noch nicht mal unbedingt das wo´s drum geht...das bekommt man mit dem öl und federn ganz gut hin

--> die zugstufe ist es, wo der frosch die locken hat.

diese ist für die ausfedergeschwindigkeit zuständig. ist die zugstufe zu weich federt die fuhre zu schnell aus und bringt so ein walken und pumpen ins fahrwerk. ziel beim cartridge muss es sein ein setup zu finden, das ein pumpen und walken verhindert, dennoch ein schnellstmögliches ausfedern ermöglicht, um für die darauffolgenden stöße durch unebenheiten in der fahrbahn genügend federweg zur verfügung zu stellen.

und das bekommst du nur geregelt, wenn du ne zugstufe hast


zudem kannst du die gabel dann mit 2,5er öl fahren. das zeug ist also schon dünn wie pipi und kann durch hitzeentwicklung nicht so viel viskosität verlieren wie ein 15er oder 20er öl das bei flötensystemen oft verwendet wird um die nötige dämpfung her zu bekommen. sprich bei längeren ausfahrten, grad wenns mal zackiger ist, wird eine flötengabel mit dickem öl immer stark an performance verlieren und irgendwann walken und pumpen.

wenn du also öfters auf der letzten rille unterwegs bist hast du mit so einem system deine helle freude. wenn du´s aber überwiegend entspannt angehst und nur ab und an deine fünf minuten hast, kommt man mit den öhlins federn denk ich ganz gut zurecht.


anmerkung der redaktion: ich hatte beides...bzw noch viel besser: ich bin der, der als erter die linearen öhlins federn eingebaut und die nötige federrate dafür (für mein fahrergewicht) ermittelt hat, und ich war der erste, der ein cartridge (von andreani) in so ne gabel reingestopft hat :lol+: :lol+: :lol+:



cheers


twinfan
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Rainer
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Re: Gabel Cartridge Umbau RAISCH

Beitrag von Rainer » 3. Okt 2017, 10:47

Hallo Twinfan. Vielen Dank, Sehr gut beschrieben.
Zum leichteren Verständnis. Bei der Standardgabel ohne Cartridge muss man minimum eine 15ner Öl fahren um im Sommer bei ca. 20° ausreichend Dämpfung zu haben. Bei 30° wäre sogar ein 20iger Öl besser. Bei 10° am besten ein 10ner und bei 5° Grad ein 5er Öl.
Beim Cartridge System benutzen wir ein spezielles ÖHLINS Cartridge Öl welches von der Viskosität etwas SAE 2 entspricht. Ich sage extra ca. weil die SAE Angaben bei Gabelölen eine völlig ungenaue Angabe sind weil das nicht genormt ist. Öhlins gibt seine Öle daher nicht in SAE sondern in Centstokes CST (kinematische Viscosität) an. Einfach gesagt ist das das die Durchflussgeschwindigkeit des Öls, und daher die einzig richtige Angabe.
Um das mal zu verdeutlichen, hier eine kleine Auflistung verschiedener Ölanbieter in SAE und deren Unterschiede:

Motul
FORK OIL EXPERT
Ligth 5W = 17,9 cSt
Medium 10W = 35,9 cSt
Medium Heavy 15W = 57,1 cSt
Heavy 20W = 77,9 cSt

FORK OIL FACTORY LINE
Very Light 2,5W = 15 cSt
Light 5W = 18 cSt
Medium Light 7,5W = 24 cSt
Medium 10W = 36 cSt

Castrol
Castrol Fork Oil 10W = 32 cSt
Castrol Fork Oil 15W = 46 cSt

Castrol Synthetic Ford Oil 5W = 28,51 cSt
Castrol Synthetic Ford Oil 10W = 42 cSt

Wilbers
Wilbers Fork Oil SAE 7,5 = 33,7 cSt
Wilbers Fork Oil SAE 10 = 51,0 cSt
Wilbers Fork Oil SAE 15 = 67,5 cSt

Liqui Moly
Liqui Moly Fork 05W = 17,2 cSt
Liqui Moly Fork 10W = 29,6 cSt
Liqui Moly Fork 15W = 43,9 cSt

Ravenol
RAVENOL Fork Oil Ultra Light 2,5W = 19,8 cSt
RAVENOL Fork Oil Light 5W = 20,2 cSt
RAVENOL Fork Oil Medium 10W = 33,0 cSt
RAVENOL Fork Oil Heavy 15W = 46,0 cSt
RAVENOL Fork Oil Very Heavy 20W = 68,0 cSt

Man sieht also deutlich die großen Unterschiede in cST

Wir beziehen alle unsere Empfehlungen auf unserer Homepage oder sonstigen Hinweisen zur Viscosität der Gabelöle in SAE Angabe immer auf Motul ÖL.


Gruß
Rainer

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Karsten
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Re: Gabel Cartridge Umbau RAISCH

Beitrag von Karsten » 3. Okt 2017, 10:58

und ich war der erste, der ein cartridge (von andreani) in so ne gabel reingestopft hat :lol+: :lol+: :lol+:


cheers

twinfan


Und ich dank dir der zweite mit dem Krempel - begeistert bin ich bis heute noch wie gut das System funktioniert. :-)

Karsten
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Re: Gabel Cartridge Umbau RAISCH

Beitrag von serpentin » 3. Okt 2017, 20:02

Seit kurzem gibt es von Öhlins das Cartridge Kit FKS 216 spezifisch für die Bonneville T120 - was ist denn da der Unterschied zu dem RAISCH Cartrige?

cyko
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Re: Gabel Cartridge Umbau RAISCH

Beitrag von cyko » 3. Okt 2017, 20:45

Fahrerspezifische Federn kommen bei den Andreani/Raisch/Öhlins/WhatEver-Kits immer zusätzlich, right?

@Rainer: Shimst du/ihr die eigentlich Kundenspezifisch ab?

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Rainer
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Re: Gabel Cartridge Umbau RAISCH

Beitrag von Rainer » 4. Okt 2017, 06:31

Ja natürlich stimmen wir das je nach Fahrergewicht ab. Alles andere macht keinen Sinn
Gruß
Rainer

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Re: Gabel Cartridge Umbau RAISCH

Beitrag von fordprefect » 4. Okt 2017, 06:49

Danke Rainer für diese „Centstokes CST (kinematische Viscosität)“ - Erklärung und Übersicht :+++:

Gruß, Fordprefect
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Re: Gabel Cartridge Umbau RAISCH

Beitrag von T120 » 4. Okt 2017, 10:37

Wenn meine Bonnie repariert und mit neuer Gabel wieder zu Hause steht wird diese gleich wieder ausgebaut...zumindest im Winter und zu Raisch´s geschickt. Im nächsten Jahr kann ich etwas berichten, wie sich das Fahrverhalten mit der Cartridge ändert.
______________
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Re: Gabel Cartridge Umbau RAISCH

Beitrag von Hellbike » 21. Okt 2017, 12:02

Ich habe die Cartridge 2015 in bei den Raisch´s einbauen lassen, nachdem ich es vorher mit den Wilbers und den Öhlins Gabelfedern versucht hatte. Erst mit der Cartridge hatte ich nicht mehr das Gefühl Blei statt Gabelöl eingefüllt zu haben. Am Original Raisch Setting musste ich nur wenig ändern. Ich bin allerdings auch zu bequem die Einstellungen vor jeder Fahrt anzupassen. One Setting fits All! Die Gabel ist jetzt straff genug für flotte Fahrweise, spricht aber auch gut auf kleinere Unebenheiten an. Das vermittelt viel mehr Vertrauen zum Vorderrad.

Nein, der TÜV hat sich nicht um die golden Versteller an der Gabel gekümmert.

Gruss

Helmut

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